Meine erste Sammlung von Kurzprosa, entstanden in den Jahren 1989 bis 2011.

Der Klappentext:
Über das Einschüchtern von Rassekatern, Mord im Fast-Food-Milieu, telepathische Schallplatten, das Flicken von Löchern im Kopf und die Wahrheit über den Küchendienst in der Hölle:
45 Kurz- und Kleingeschichten aus dem Frühwerk, 45 Versuche, mit dem Irrsinn der äußeren und inneren Welt fertigzuwerden. Ein Sack mit 45 Flöhen, die in die verschiedensten Richtungen davon hüpfen: »Normale« Kurzgeschichten, Satiren, Parodien und Grotesken wechseln sich ab mit Kürzestprosa und Experimentellem. Wenig märchenhafte Märchen treffen auf Nach- und Bedenkliches, auf Beobachtungen des Alltäglichen und Realen, die oft ganz woanders hin weitergeführt werden: ins Ironische, ins Absurde, ins Unheimliche und Gewalttätige.
Vor langer Zeit hatte ich ein Exposé für die geplante Sammlung verfasst in derAbsicht, mich um eine Verlagsveröffentlichung zu bewerben, ferner eine Rezension nach der ersten Veröffentlichung. Beide möchte ich hier anführen, aber nicht ohne Spoilerwarnung – könnte ja sein, dass jemand das Buch nicht kennt und noch lesen möchte:
Exposé:
Küchendienst in der Hölle – 40 Kurzgeschichten
40 Kurz- und Kleingeschichten, 40 Versuche, mit dem Irrsinn der äußeren und inneren Welt umzugehen. 40 Beobachtungen des Alltäglichen und Realen, die oft woandershin weitergeführt werden: ins Absurde, ins Ironische, ins Unheimliche und Gewalttätige. Ein Sack mit 40 Flöhen, die in die verschiedensten Richtungen davon hüpfen.
Die Geschichten:
Die Titelgeschichte „Küchendienst in der Hölle“ skizziert auf engstem Raum das Festhängen in sinnlosen Situationen und Tätigkeiten. Wir erfahren nicht, was die Teufel essen, nur staunend, wie sie ihr Geschirr vorzufinden wünschen. (Inspiriert durch das Wohnen in einer Studenten-WG)
„Dörnröschen“ wurde keineswegs durch ihren Märchenprinzen wachgeküsst, der ohnehin nichts als ein rücksichtsloser Draufgänger war – und letzten Endes auch nur ein armes Würstchen, das in seiner Selbstwahrnehmung gefangen war. Die Märchensprache stößt etwas unsanft mit einem realistischeren Ton zusammen.
In „Was Sie über Rasierwasser wissen sollten“ geriert sich der Ignorant als Connaisseur – und hat auch noch Erfolg damit. Zumindest unter den ganzen anderen Ignoranten… Inhaltlich eine konsequent durchgezogene Verwechslung.
In „Wie ich lernte, den Milchmann zu hassen“ schildert der junge Ich-Erzähler verstört seine Innenwelt, sein traumatisches Familienleben und seine Fluchten in Studium und Musikhören. Dem kleinen Erfolgserlebnis, eine verzweifelt gesuchte Schallplatte im Second-Hand-Laden zu finden, folgt die scheinbar große Tragödie, der Tod des Vaters, darauf wieder die Aussicht auf einen Neuanfang. Technisch eine Komposition aus Leitmotiv und Gegenstimme, gleichsam kontrapunktisch.
„Voodoo Child“ verdankt seine Existenz einem ignoranten „Milchmann“-Leser, dem die telepathisch tötende Schallplatte nicht deutlich genug herausgearbeitet war (wie auch!). Eine Themenvorgabe, die wie von allein zu einer alltäglichen Erzählhaltung und ganz normalen Protagonisten vor dem Hintergrund alltäglicher Lebens- und Arbeitsumstände führte – ein Monolog im Plauderton. Um so rätselhafter wirkt der Einbruch des Dämonischen – oder war das alles nur Zufall?
Die weiteren Themen:
Ein weiterer Märchenprinz als neurotischer Beziehungskrüppel („Froschkönig“). Ein vollgeschwiegener „Anrufbeantworter“, ein „Supermarkt“, in dem alle Waren nur scheinbar zu haben sind. Ein überambitioniertes Konzept wird von der Realität auf Normalmaß zurechtgestutzt („Wunschkind“). Die Doppeldeutigkeit im Wortsinn („Führungskräfteseminar“), als kleine Rache am Managertum. Das mehr oder weniger beiläufige Zutagetreten gewalttätiger Tendenzen bei ganz normalen Menschen („Lasset uns Menschen machen..“, „Augen“, „Mutterkomplex“ und natürlich schon in „Voodoo Child“). Die Angst und ein Fluchtplan, der an sich selbst scheitert („Leoniden“).
Bevorzugte Techniken:
Verwechslung, Auslassung, absichtliches Missverstehen, Wecken und Ausweichen Lesererwartungen, Zu-Wörtlich-Nehmen, Sinnentstellung, die Parabel und die Pointe. Schwarzer Humor.
Und für die Statistiker:
40 Texte mit insgesamt 31991 Wörtern, Mittelwert 799,8, Standardabweichung 753,7 (!).
1 eine von 1 Rezensionen (nicht als Käufer verifiziert):
Etwas überambitioniert!
Offenbar versuchte der Autor, so viele Spielarten der Kurzprosa wie möglich auszuprobieren: „klassische Kurzgeschichte“, Satiren, Märchen (die wieder als Parodien enden), absurde Kürzesttexte, Gleichnisse, Experimentelles, gar Philosophisches wird versucht („Über nichts“). So ist wahrscheinlich für jeden etwas dabei, was ihm nicht gefällt.
Recht gelungen, weil flüssig, mit gelungenen Spannungsbogen und mit lebhaften Beschreibungen erzählt, sind einige „normale“ Geschichten. Mehr davon hätten dem Buch gutgetan.
Die meisten Texte warten mit einer Überraschung am Ende auf. An und für sich ist das nicht schlecht, in der Sammlung von 44 Geschichten kommt es ein paar Mal zu oft vor. Ein relativ häufiger Trick ist auch die absichtliche Vertauschung von Zusammenhängen, die manchmal überraschende Perspektiven schafft.
Viele Texte sind sehr komprimiert, so dass man einige Zusammenhänge erst beim zweiten oder dritten Lesen begreift. Da denkt oder phantasiert offenbar jemand schneller, als er schreiben kann. Für den Leser ist das recht anstrengend. Ein professionelles Lektorat hätte da gut getan.
Die Sammlung fällt, vielleicht aus chronologischen Gründen, zum Ende hin ab. Der gleichnishafte „Bach“ ist platter geraten als der Rest des Buches, „Desillusion“ und „Das Ende“ wirken gewollt abgedreht.
Es bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Viel Spannendes, positiv Überraschendes, aber auch viel Angestrengtes. Immer wieder wird ein Spagat zwischen Unterhaltung und Herausforderung des Lesers versucht. Das Buch will ein zweites, drittes Mal gelesen sein, aber von welchem Leser?
Zwei Sterne (von fünf)